"Wie funktioniert eine Familienaufstellung eigentlich genau?"

Autor: Mag. Claudia Schwab-Eckl am 21.03.2017

Da ich diese Frage in den letzten 13 Jahren oft gestellt bekommen habe, möchte ich sie gerne hier zu beantworten versuchen. Allerdings: die beste Antwort bekommt man immer durch die eigene Erfahrung! Ich empfehle daher immer, sich einfach einmal eine Aufstellung anzuschauen oder sich sogar in eine Rolle zu wagen...aber dazu gleich mehr:

Es gibt Familienaufstellungen in Kleingruppen oder im Einzelsetting. In diesem Artikel geht es um die Basis Abläufe von Gruppenaufstellungen.

  • Vor dem vereinbaren Termin, wird ein ausführliches Vorgespräch geführt. Dabei wird der Stammbaum, die Familiengeschichte und alle relevanten Fragen rund um das Anliegen besprochen
  • Am Tag der Aufstellung (bei mir finden meist 5 Aufstellungen an einem Nachmittag statt – ganze Wochenenden finde ich persönlich nicht ansprechend) kommt die Gruppe zusammen – meist ca. 10- 14 Personen
  • Mir ist wichtig, dass sich alle wohlfühlen und auch jene die Angst vor ihrer Aufstellung haben sicher fühlen
  • Manchmal ist die Reihenfolge der Aufstellungen im vorraus fixiert, meist nicht.
  • Die 1. Person, die aufstellt, formuliert in 2-3 Sätzen nochmals das Anliegen. Das kann z.B. sein: „Ich werde ständig übersehen von meinem Vater!“ „Mein jüngerer Bruder wird bis heute bevorzugt!“ aber auch: „Ich hab jetzt schon den 3. Chef, der eine Kopie meines Vaters ist!“ uvm.
  • Die Person wählt die (im Vorgespräch besprochenen) Rollen aus.
  • D.h. eine (meist ganz) fremde Person aus der Runde wird ausgewählt z.B. den Vater darzustellen. Der echte Vater ist NICHT anwesend (manchmal leben Personen gar nicht mehr). Alle anderen Rollen werden auch ausgesucht.
  • Die Person die aufstellt, legt die Hände auf die Schultern der ausgewählten Person und denkt an z.B. den eigenen Vater. Hier unterstütze ich auch als Aufstellungsleiterin.
  • Dann führt die Person die aufstellt den sogenannten „Repräsentanten“ des Vaters in den Raum.
  • Das wird mit allen ausgewählten Personen gemacht. AUCH dier Person die aufstellt sucht jemanden für sich aus! Während der Aufstellung sitzt diese Person am Rand und schaut sich die Aufstellung an.
  • Jetzt kommt jener Teil, der für unseren Verstand SEHR schwer greifbar ist. „Wie kann jemand, der meinen Vater gar nicht kennt, diesen darstellen?“ Die Wissenschaft spricht vom „wissenden Feld“. Wer jemals in einer Rolle war und gespürt hat wie es ist noch ganz gechillt im Begrüßungskreis zu sitzen und plötzlich ganz anders drauf zu sein, sobald man ins Feld geführt wurde, stellt diese Fragen nur mehr selten...
  • Ich selbst bin (noch immer!)  völlig erstaunt, wie klar das „wissende Feld“ ist. Ein Beispiel: Ein Großvater wurde ins Feld geführt, der (eigentlich völlig gesunde Darsteller) beginnt in der Rolle (noch während er auf den Platz geführt wird) zu humpeln. Auf meinen fragenden an die Darstellerin wundert sich diese: „Mein Großvater hat ein Holzbein und humpelt...aber das hab ich doch gar nicht erwähnt!“
  • Sobald alle Personen im Feld stehen, frage ich ab wie es wem geht. Die Aussagen sind ganz klar. „Mir ist es hier viel zu eng!“, „Ich steh hier total im Eck, keiner sieht mich!“ oder „ich bin total traurig, wenn ich dorthin schaue...“
  • Dann beginnt die Arbeit des Ordnend, klärens...lösende Sätze (ein eigener Artikel dazu folgt) werden ausgesprochen...Positionen verändern sich...
  • Eine Aufstellung dauert (bei mir) zwischen 45 und 90 Minuten. Sie ist dann beendet, wenn keine Bewegung/Emotion/neue Rückmeldung mehr im Feld ist.
  • Gegen Ende wird manchmal die aufstellende Person ins Feld geholt. Die darstellende Person für das „Ich“/den Fokus der Aufstellung verlässt bewusst die Rolle und setzt sich an den Rand.
  • Am Schluss werden alle Personen „entrollt“, jeder streift sich ab, sagt den eigenen Namen und geht ganz bewusst aus der Geschichte wieder heraus.
  • Bei mir gibt es nach jeder Aufstellung eine Pause, nach dieser ist Platz für eine (kurze) Nachbesprechung, bevor die nächste Aufstellung beginnt!

Mehr folgt in Kürze!

Schönen Tag noch!

Mag. Claudia Schwab-Eckl

www.suvasun.at

Gesamter Text: copyright Mag. Claudia Schwab-Eckl, 2017